Im April habe ich über OpenClaw geschrieben — mein selbst gehosteter KI-Agent auf einem Hostinger-VPS, angebunden an Telegram, E-Mail, Kalender, GitHub und PeachBase als gemeinsames Gedächtnis. Der Post endete mit einer kurzen „What's Next“-Liste. Drei Monate später ist das meiste umgesetzt — und das Setup fühlt sich weniger wie ein Chatbot und mehr wie ein kleines Ops-Team an.
Was sich geändert hat, was kaputtging und was ich wieder so machen würde.
Kurz zusammengefasst
OpenClaw = persistenter Agent + Tools + Memory-Dateien (MEMORY.md, Tagesnotizen, Heartbeats). Ich rede vor allem per Telegram (oft Sprachnachricht). Shell, Repos, E-Mail-Entwürfe, GitHub — Versand nur nach meinem OK.
Das gilt noch. Alles Folgende kommt obendrauf.
1. Blog-Automatisierung — vom Versprechen zur Pipeline
Im ersten Post stand: OpenClaw soll Blogposts entwerfen. Passiert — mehrfach:
| Post | Was OpenClaw gemacht hat |
|---|---|
| Hetzner-EU-Prod-Serie | Recherche, EN+DE-Entwurf, Bilder |
| Lovable → Hetzner DACH | Gleiche Formel, echte Kundenstory |
| SISTRIX-MCP-SEO-Audit | Live-MCP-Daten, Codebase gelesen, Strategie-PDF |
Typischer Ablauf: Sprachnachricht → Kontext aus Memory + Repos → Markdown in mmblog/content/ → Review → Netlify. LinkedIn-Drafts oft in derselben Session.
Lesson: Der Agent kann Erstentwürfe mit echten Daten. Mein Job: Ton, Fakten, „würde ich das unter meinem Namen posten?“
2. Cursor CLI als Subunternehmer
Größtes Upgrade seit April: @jeehou/openclaw-cursor-cli — OpenClaw startet Cursor CLI (agent --print --trust --yolo) im ausgecheckten Repo.
GitHub-Issue-Workflow heute:
- Heartbeat sieht neues Issue auf
hallocasacom/hallocasa-next - Ping auf Telegram
- Cursor CLI (Opus Thinking) schreibt Implementierungsplan aus dem Code
- Plan als GitHub-Kommentar — nicht im Chat versteckt
- Ich approve → Composer implementiert → PR
Planen und Coden passieren im Repo-Kontext. OpenClaw bleibt Dirigent.
Model-Split, der funktioniert:
| Aufgabe | Modell |
|---|---|
| Heartbeats, Morgen-Mail | Haiku + lightContext |
| Chat / Triage | Sonnet |
| Pläne | Opus via Cursor CLI |
| Implementierung | Composer |
Opus auf jedem Heartbeat war teuer. Routing hat das gefixt.
3. Awaiting-Feedback-Schleife (stakeholder-aware)
Früherer Fehler: Plan v1 posten, „warte auf Approval“ sagen, Issue nicht mehr lesen. Stakeholder kommentieren — Plan veraltet.
Fix: awaitingFeedbackIssues in heartbeat-state.json. Alle ~30 Min:
- Issue-Kommentare neu laden
- Antwort von jemand anderem → vN+1-Plan, GitHub-Kommentar, Telegram-Ping
- Erst dann Status melden
Beispiel: HalloCasa-SEO #2400: v1 → v2 → v3 nach Yoast/Polylang-Feedback und WordPress-MCP-Audit.
Lesson: Autonome Agenten brauchen Poll-Loops, keine One-Shot-Pläne.
4. MCP-Menü — SEO, WordPress, Compliance
April: PeachBase + Basics. Juli: kleiner Stack via mcporter:
| MCP | Einsatz |
|---|---|
| PeachBase | Langzeitgedächtnis für Cursor, OpenClaw, ChatGPT |
| SISTRIX | Live-SEO, Keywords, Wettbewerb → Strategie |
| WordPress | blog.hallocasa.com auditieren, Kategorien, Drafts |
| ai-secure | ISO27001/NIST/SOC2/COBIT-Scans, PDF-Reports |
Muster: ein Telegram-Prompt, Agent ruft MCP + liest Code, Ergebnis ist datiertes Artefakt (Markdown, PDF, Issue-Kommentar).
Den SISTRIX-Workflow habe ich hier beschrieben. WordPress + SEO-Dashboard laufen weiter — OpenClaw verbindet Produkt, Content und Infra-Repos.
5. Telegram-Forum-Topics = Projekt-Switcher
Ein Gruppenchat, viele Topics: mmblog, hallocasa, ai-secure, arc-rider-universe, prowler, …
Jedes Topic → Repo + Regeln in MEMORY.md. Kein Kontextwechsel in einem Thread — Topic öffnen, Agent weiß Bescheid.
Ops: OpenClaw 2026.5.4 hat messages.groupChat.visibleReplies gefixt — Antworten in Forum-Topics wurden auf älteren Builds verschluckt.
6. Cron-Zuverlässigkeit (als der Morgenbrief ausfiel)
morning-email-check um 07:00 Berlin lieferte nicht mehr. Ursache: Gateway vs. CLI Versionsdrift → ERR_MODULE_NOT_FOUND.
Fix: openclaw update, Gateway-Neustart, doctor --fix, Morgen-Job auf Haiku + lightContext + 180s Timeout.
Manueller Test: ~40s, Telegram OK. Langweilige Infra — bis sie es nicht ist.
7. Noch VPS (und warum)
Talk-Entwürfe zu OpenClaw auf Lambda existieren. Trotzdem €10/mo Hostinger Docker:
- Persistenter Workspace + Git-Clones
- Lange Cursor-CLI-Läufe ohne 15-Min-Lambda-Grenze
- Einfache Telegram-Webhooks
Serverless für Skalierung; Solo-Betrieb: VPS pragmatisch.
Zahlen (grob, drei Monate)
- GitHub: viele Issues triagiert; Pläne als Kommentare; mehrere PRs via OpenClaw → Cursor
- Blog: 4+ substanzielle Posts mit Agent-Hilfe (EN+DE)
- Kosten: Modell-Routing wichtiger als Hosting
- Pannen: clawhub
self-improving-agentmehrdeutiger Slug; eine ungenehmigte Mail früh → harte „vor Versand fragen“-Regel
Was als Nächstes kommt
- Auto-Implement nach explizitem GitHub-Approve
- Hetzner-MCP für Infra aus dem Chat
- Eventuell Serverless — wenn scale-to-zero wichtiger wird als lange Shells
Fazit
Vor drei Monaten: E-Mail + Kalender + GitHub-Pings. Heute: Orchestrator — Forum-Topics für Kontext, Cursor für Code, MCP für Live-Daten, Heartbeats für Stakeholder, mmblog für Content.
Wenn du OpenClaw schon nutzt: für mich die größten Hebel waren Cursor-CLI-Plugin, Awaiting-Feedback-Polling und ein MCP pro Domäne, die du sonst manuell wiederholst.
Links:
Fragen oder Hilfe beim Setup (Telegram-Topics, MCP, Cursor CLI, Heartbeats)? office@martinmueller.dev oder calendly.com/martinmueller_dev.